Dienstag, 3. April 2012

Markus Zusak - Die Bücherdiebin


Die Bücherdiebin ist ein Einzelband von Markus Zusak.

Gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2008
Übersetzer: Alexandra Ernst
Seitenanzahl: 592
Verlag: Blanvalet Verlag
Sprache: Deutsch
Originaltitel: The Book Thief

Taschenbuchausgabe
Erscheinungsdatum: 7. September 2009
Übersetzer: Alexandra Ernst
Seitenanzahl: 608
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
Sprache: Deutsch
Originaltitel: The Book Thief



Im Alter von neun Jahren hat Liesel schon vieles verloren. Ihren Vater, einen Kommunisten. Ihre Mutter, die ständig krank war. Ihren Bruder Werner - auf der Fahrt nach Molching zu den Pflegeeltern. Als der Bruder stirbt, gerät sie zum ersten Mal ins Blickfeld des Todes. Und sie stiehlt ihr erstes Buch - ein kleiner, aber folgenreicher Ausgleich für die erlittenen Verluste. Dann stiehlt sie weitere Bücher. Äpfel und Kartoffeln. Das Herz von Rudi. Das von Hans und Rosa Hubermann. Das von Max. Und das des Todes. Denn selbst der Tod hat ein Herz.

Eine wundervolle Idee auf dem deutschen Cover, das Liesel zusammen mit dem Tod zeigt, dessen Herz sie gestohlen hat. Es passt so gut zum Buch - abgesehen von der Tatsache, dass der Tod selbst, der die Geschichte von Liesel Meminger erzählt, zwischendurch immer wieder betont, dass er gar nicht so aussieht, wie man sich den "Sensemann" immer vorstellt, sondern wie ein ganz normaler Mensch und dass er auch nur dann einen schwarzen Kapuzenmantel trägt, wenn es kalt ist und er KEINEN Totenkopfschädel hat. Mh... Sieht auf dem Cover ein wenig anders aus :D Aber trotzdem eins meiner Lieblingscover ♥ Das obere Cover finde ich auch von allen überhaupt am schönsten. Ich muss an dieser Stelle mal sagen, dass die russischen Cover wirklich ganz ganz grässlich und schrecklich und unpassend und wirklich nicht schön sind. Guckt selbst - einfach mit der Maus über das Bild gehen, dann wird die Sprache angezeigt.
Andere Cover:
 

Meine Güte, was hab ich Rotz und Wasser geheult. Bei keinem anderen Buch habe ich so viele Tränen vergossen. Um 1 Uhr nachts musste ich mir vorgestern ein anderes Kissen holen, weil meins durchnässt war vom ganzen Weinen. Ja, 1 Uhr nachts. Weil ich der Überzeugung war, die letzten 200 Seiten an einem Abend noch durchlesen zu müssen. Und bei den letzten 50... da musste ich dann aufpassen, keine hässlichen Tränenflecken auf den Seiten zu hinterlassen (hat nicht ganz geklappt..).
»Diese widersprüchliche Natur des Menschen! Ein bisschen gut, ein bisschen böse. Man muss nur einen Schuss Wasser dazugeben und umrühren.«
Das Buch hat mich so gefesselt, ich fühlte mich, als wäre immer bei allem live dabei und hätte alles miterlebt, ganz so, als wäre ich wirklich dort gewesen. Man bekommt einen so ehrlichen Eindruck von der Zeit während dem Zweiten Weltkrieg und das alles aus der Sicht des Todes. Um einen Satz der Inhaltsangabe im Buch zu zitieren: »...der Tod. Er ist es auch, der die Geschichte der Bücherdiebin erzählt, so feinsinnig und einfühlsam, wie es nur dem einen möglich ist, der Tag für Tag menschliche Seelen auf ihrer letzten Reise zu begleiten hat.«
Man erlebt fünf Jahre eines jungen Mädchens mit, das zu fremden Menschen in einen fremden Ort ziehen muss, gegen ihren Willen. Doch mit den Jahren werden diese fremden Menschen ihr zu den wichtigsten Personen und der fremde Ort wird zu ihrem neuen Zuhause. Zu jeder Zeit fühlt man mit Liesel mit, die schon so viele Schicksalschläge erleiden musste - und noch so viele würden folgen. Der wundervolle Schreibstil aus der Sicht des Todes erlaubt einem in die Welt des Mädchens einzutauchen, alles mit ihr zu fühlen, und geschockt, über diese schreckliche Zeit, zurück zu bleiben, wenn man das Ende erreicht hat. Markus Zusak, der in Sydney lebt, ist es mehr als gut gelungen, diesen Eindruck vom Nazi-Deutschland zu vermitteln. Er selbst verarbeitet in Die Bücherdiebin die Geschichten seiner Eltern von diesen Jahren und hat Situationen, die teilweise ein Beispiel für das grausame Leben der Juden waren, mit ins Buch überbracht. Markus Zusak zeigt das Leben der deutschen Bevölkerung, wo jeder unter dem Krieg leidet. Familien werden auseinander gerissen, Orte werden durch Bomben zerstört, Väter werden an die vorderste Front geschickt, nur wenige haben genug zu essen, viele Städte sind arm - und doch müssen die Familien zusammenhalten und füreinander da sein, um diese schwere Zeit zu überstehen, in der Hoffnung, dass endlich alles besser wird. Aber keinesfalls fühlt man sich beim Lesen nicht wie in einer öden Geschichtsstunde, denn es wird die Geschichte von Liesel Meminger erzählt, das Leben der Bücherdiebin. Und wenn ich daran denke, wie sehr mich seine Geschichte zum Heulen gebracht hat, könnte ich am besten Rosa Hubermann zitieren: So ein Saumensch!
Erst am Ende von Die Bücherdiebin habe ich gelesen, dass dieses Buch eigentlich ein Roman für Erwachsene ist. Davon habe ich aber während des Lesens nichts gemerkt, wahrscheinlich weil ein Kind die Hauptrolle besetzt, aber im Nachhinein ist dieses Buch geeignet für Jugendliche UND Erwachsene und ich denke, es berührt einfach jeden. Mich hat es zurück gelassen mit vielen Gedanken und neuen Eindrücken über die Hitler-Zeit.
Die Charaktere schließt man gleich ins Herz. Vor allem natürlich Hans Hubermann, der Pflegevater, der für Liesel zu einem wirklichen und wundervollen Papa wird und immer die richtigen Worte findet. Rosa Hubermann, die besonders schroff ist, zu den Menschen, die sie am meisten liebt, aber ein gutes Herz hat. Rudi Steiner, der Junge mit den zitrongelben Haaren. Max Vandenburg, der Jude, dem alles genommen wurde und der dank einem kleinen Mädchen so vieles geschenkt bekommt - angefangen mit einem Schneemann im Keller. Ilsa Hermann, Arthur Berg, Frau Holzinger, Tommi Müller, ich könnte stundenlang weiter machen.
Tja, ich glaube, jetzt muss ich wohl zum großen Negativ-Punkt kommen... Und der ist, wie schleppend die Story vorangeht. Der Autor hält sich meiner Meinung nach ein wenig zu sehr mit Kleinigkeiten auf. Die Bücherdiebin ist in 10 Abschnitte unterteilt (plus Prolog und Epilog) und wirklich verändernde Dinge geschehen meistens nur ein Mal in einem ganzen Abschnitt. Der Rest ist natürlich nicht unwichtig, aber es wird sich halt so lange damit aufgehalten...

Eigentlich wollte ich für Die Bücherdiebin 4 Herzen verteilen, aber jetzt, da ich während dem Schreiben dieser Rezension nochmal alles durchgegangen bin, glaube ich, dass diese so rührend erzählte Geschichte meinen großen Minuspunkt vollkommen überdeckt, und daher gebe ich hier, bei dem Buch, das mich wie kein Anderes zu Tränen gerührt hat, 5 Herzen.
EDIT: Ich aktualisiere grade Rezensionen und kann es gar nicht glauben, dass ich hierfür erst nur 4 Herzen verteilen wollte - inzwischen gehört es DEFINITIV zu meinen Top-Lieblingsbüchern aller Zeiten. ♥


Markus Zusak, Jahrgang 1975, lebt in Sydney und schreibt Romane, die international für Furore sorgen. Für »Der Joker« wurde er dutzendfach ausgezeichnet. »Die Bücherdiebin«, sein erster Roman für Erwachsene, stürmte die internationalen Bestsellerlisten über Nacht. Es sollte eigentlich bloß ein schmales Bändchen werden, eine Reminiszenz an die Geschichten seiner Eltern aus München und Wien während des Zweiten Weltkriegs, eine Erinnerung an die Bombennächte, wie der Himmel in Flammen stand - und die Erinnerung an ein paar Kinder, die bestraft wurden, weil sie ein Stück Brot mit den Juden teilten, die über eine Dorfstraße irgendwo in Süddeutschland nach Dachau getrieben wurden. "Ein Moment der Güte und der Brutalität gleichermaßen - in meinen Augen die perfekte Schilderund der menschlichen Seele."


Die Bücherdiebin kam am 13. März 2014 mit Sophie Nélisse (als Liesel), Geoffrey Rush (als Hans Hubermann) und Emily Watson (Rosa Hubermann) ins Kino und ist inzwischen auf DVD und Blu-Ray vorbestellbar.

Kommentare:

  1. du sprichst mir aus der seele ! (:
    das buch ist echt spitze, ich hab die ausgabe mit dem mädchen und den orangenen vorhängen, ich glaub das ist die 'jugendausgabe' aber keine ahnung - da sind bilder drinnen, bei deiner ausgabe auch ?
    aber, das buch ist wirklich sehr empfehlenswert *-*
    liebe grüüße dir <3
    nicole

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    1. Naja, nicht direkt Bilder, also Fotos, aber Zeichnungen von Max... (:
      Da kann ich dir nur zustimmen! *-*

      Liebe Grüße ♥

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  2. Wirklich eine gelungene Rezession, wie ich finde. Du hast vieles treffend beschrieben, und ich find´s toll, dass es Leute gibt, die bei dem Buch genau so viel geheult haben wie ich.
    Wo hast du nur all die Bilder von den Covers in anderen Sprachen her?!
    Einen kleinen Unterschied, den ich gemacht hätte, ist, dass ich von anfang an fünf Herzen gegeben hätte. Aber das ist wohl Geschmackssache.
    Was meiner Meinung nach das Buch am besten beschreibt, ist ein Satz am Ende des Buches "Ich habe die Worte gehasst, und ich habe sie geliebt..." <3

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    1. Danke sehr!! ^-^
      Ich suche einfach bei Google, normalerweise schaue ich mir die Wikipedia-Seite zum Buch (oder auf englisch, wenn ich's auf deutsch nicht finde), klicke dann die anderen verfügbaren Sprachen an, gebe den jeweiligen Titel, zum Beispiel auf französisch, bei Google Bilder ein und tadaaa, hab ich das Cover (:

      Liebe Grüße ♥

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  3. Ich finde das, was du hier machst, richtig gut. Tolle Idee und tolle Umsetzung. Richtig schade finde ich aber, dass du nirgends die jeweiligen Übersetzer erwähnst, obwohl die am Gelingen der deutschen Ausgabe doch maßgeblichen Anteil haben. Da sollten sie zumindest in der Bibliografie stehen, meinst du nicht auch?

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    1. Dankeschön! *o*
      Hm, da hast du eigentlich recht... Weißt du was, ich werde ab sofort in allen Rezensionen auch den Übersetzer dazuschreiben! Danke für den Vorschlag. ♥

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  4. Super! Das finde ich wirklich klasse. Zumal ich weiß, wie viel Mühe sich die meisten Übersetzer mit den Texten geben. Zu dem Roman "Die Bücherdiebin" gibt es auch eine nette Geschichte dazu: Der Vater von Markus Zusak (geborener Österreicher) hat der Übersetzerin einen Brief geschrieben, in dem er meinte, dass ihm der Roman auf Deutsch noch besser gefallen hat als auf Englisch. Zu seinem Sohn sagte er: "Your novel is not exactly shit, but it's much better in German." - Das stimmt natürlich nicht. Ich vermute, er war nur deshalb so berührt, weil er die Geschichte in seiner Muttersprache (Deutsch) gelesen hat. Und da kamen einfach besondere Emotionen hoch. Aber das zeigt, wie bedeutsam eine gute (oder schlechte) Sprache für eine Geschichte ist.
    Ich werde deinen Blog übrigens jetzt regelmäßig lesen. Auf deine Einschätzung zum "Joker" bin ich schon sehr gespannt!
    Liebe Grüße!

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    1. Haha, das ist ja mal genial. :DD Ja, das stimmt wohl. Ich hab sogar schon öfter überlegt, ob ich das mit reinbringen soll, hab das aber bisher immer eher für nicht ganz so wichtig gehalten. Das wird sich jetzt ändern. (:
      Dankeschön!! ^-^ Ich bin auch sehr auf das Buch gespannt, es könnte aber noch etwas dauern, bis ich dazu komme. (:

      Liebe Grüße ♥

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  5. Ich überleg mir immer und immer wieder ob ich das Buch lesen soll oder nicht, aber wenn ich es lese muss ich es auch kaufen weil unsere Bücherei das Buch nicht hat. Aber ich les eigentlich viel lieber Bücher Reihen.
    Und deshalb ist bei mir ganze Zeit so ein hin und her.

    LG. jamandla

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    1. Ach, bei diesem Buch musst du gar nicht überlegen, es LOHNT sich, dieses Buch zu kaufen! *-* Und vielleicht hat ja irgendjemand in deinem Freundes- oder Bekannten-Kreis das Buch und du kannst es dir ausleihen. Oder Ebay ist auch immer eine gute Lösung, wenn man nicht so viel Geld ausgeben möchte, da hab ich es nämlich auch her. Aber selbst Neu ist es das Geld auf jeden Fall wert. (:

      Liebe Grüße ♥

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Ich freu mich immer wie ein Regenbogen-Keks über jeden Kommentar, also hinterlasst mir hier unbedingt eine Nachricht. Lob wird natürlich genau so gerne gehört wie begründete Kritik. (: Antworten gibt es immer direkt unter eurem Kommentar und kommen so schnell wie es geht. Ihr seid die Besten! ♥