Sonntag, 10. Juni 2012

Cornelia Funke - Reckless: Steinernes Fleisch


Steinernes Fleisch ist der erste Teil der "Reckless"-Reihe von Cornelia Funke.
1. Steinernes Fleisch - 2. Lebendige Schatten - 3. Teuflisches Silber - ??? (mindestens 2 weitere Bände)
(Begleitband: Mein Reckless Märchenbuch - Grimms Märchen, ausgesucht und zusammengestellt von Cornelia Funke)

Gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum: 14. September 2010
Seitenanzahl: 346
Verlag: Dressler
Sprache: Deutsch
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 16 Jahre
Englischer Titel: Reckless


Obwohl Jacob Reckless immer darauf geachtet hat, die Welt hinter dem Spiegel vor seinem Bruder Will geheimzuhalten, ist dieser ihm gefolgt. Doch in dem wunderbaren Reich lauern tödliche Gefahren: Will wird von einem Goyl angegriffen und beginnt, zu Jade zu versteinern.Verzweifelt will Jacob ihn retten, aber nur die Feen haben die Macht, das Steinerne Fleisch aufzuhalten. Gemeinsam mit Clara, Wills großer Liebe, und der Gestaltwandlerin Fuchs macht Jacob sich auf die gefährliche Reise.

Das Einzige, was mir an diesem Buch wirklich gefällt, ist das Cover. Es passt super zum Buch, weil die Grundfarbe dunkel ist, so wie die Atmosphäre in der Spiegelwelt. Womit wir beim silbernen Spiegel wären, der eine große Rolle spielt und auch auf dem Cover zu sehen ist, sowie das zu Jade versteinerte Gesicht mit den goldenen Augen, das einem hilft, sich Will am Ende vorstellen zu können. Das war's mit den positiven Punkten.
Andere Cover:

Ich hab ernsthaft überlegt, ob das Wort "scheiße" hier nicht ganz einfach ausreichen würde, aber ich nehme mir jetzt doch die Zeit, eine längere Rezension zu schreiben um zu begründen, warum Reckless: Steinernes Fleisch das schlechteste Buch ist, das ich bisher gelesen habe.
Die Charaktere. Vorhersehbar, langweilig, durchsichtig, oberflächlich, klischeehaft, nervig, einseitig, durchschnittlich, flach, unrealistisch, gesichtslos, aufgesetzt, konturlos. Abgesehen von Jacob, der ein unsympathischer rücksichtsloser Egoist ist, mich fast durchgehend genervt hat und immer grade zufällig genau das dabei hat, was in einer "aussichtslosen Situation" natürlich heldenhaft allen das Leben rettet. Seine Sorge um seinen Bruder Will wirkt völlig unglaubwürdig, denn er war 12 Jahre lang fast nie da und hat sich in der Spiegelwelt in seinem Selbstmitleid gesuhlt. Jacob hat sich nie um Will gekümmert und jetzt plötzlich setzt er alles aufs Spiel um seinen "geliebten" kleinen Bruder zu retten. Und das, obwohl es nicht mal aufgefallen wäre,wenn dieser einfach tot umgefallen wäre. Es hätte niemanden interessiert. Genau so ging es mir mit Clara, auf die alle vorhin genannten Eigenschaften ebenfalls zutreffen. Und sie ist auch kein bisschen verwundert, dass sie plötzlich in einer Parallelwelt hinter einem Spiegel steckt. Ist ja normal. Wie bitte?! Ein wenig mehr Schock von ihrer Seite hätte ich mir schon gewünscht, sie wirkt nämlich extrem aufgesetzt.
Die ständigen Sichtwechsel waren völlig unnötig, und den Sinn davon habe ich noch immer nicht ganz verstanden, es kam mir echt überflüssig vor. 
Das Meiste war total klischeehaft und vorhersehbar und langweilig. Nie wurde ich wirklich überrascht. Wenn es grade sehr spannend sein sollte, habe ich mich nur noch mehr gelangweilt. Die Elemente aus den Märchen der Brüder Grimm waren nicht gut übernommen, lieblos und ins Schlechte versetzt. Dornröschen wurde zum Beispiel nie wach geküsst. Somit hatten die Märchenvergleiche nichts Magisches. Außerdem war die Atmosphäre viel zu düster für eine Märchenwelt. Das lag zum großen Teil an den dunklen Zeichnungen. Bei der Tintenwelt-Trilogie habe ich diese Bilder der Autorin geliebt, hier aber ganz und gar nicht. Sie haben eine düstere Stimmung verbreitet und da die Welt hinter dem Spiegel auch so gut wie gar nicht beschrieben wurde, wurde ich gezwungen mich an diesen Illustrationen festzuhalten und ich konnte mir keine eigenen Vorstellungen von dieser Welt machen, was ich sonst immer so liebe - in Gedanken meine eigene Welt bauen. Das war bei Reckless fast komplett unmöglich. Viel zu wenig wurde hier beschrieben.
Viele andere haben es schon gesagt, ich kann da nur zustimmen: Für Kinder zu brutal, für Erwachsene zu harmlos. Und für ein Jugendbuch sind mir die Protagonisten ehrlich gesagt zu alt.
Von der Grundidee hat Cornelia Funke sich selbst kopiert. Vor allem am Anfang ähnelt das Ganze Tintenherz extrem. Ein Kind deckt das Geheimnis des Vaters auf. Unterschied: Die Parallelwelt erreicht man durch einen silbernen Spiegel und nicht durch Bücher. Dennoch keine neue Idee, einfach nur einfalls- und ideenlos.
Nach dem ersten Kapitel findet ein Zeitsprung von 12 Jahren auf. Alles, was dazwischen passiert ist, wird nur nebenbei mal eben schnell erzählt, auf diese Ereignisse wird kein Wert gelegt. Mir fehlen die Hintergrundgeschichten.
Kurze Sätze, kurze Kapitel. Das Ganze wirkt viel zu gezwungen. Der Schreibstil, den ich von Cornelia Funke bei Tintenherz so mochte, wirkte jetzt lieblos, emotionslos und ohne Herz. Nichts hat mich mitgerissen. Auf jedes Problem folgt noch im selben Kapitel eine Lösung. Dennoch bleibt alles im Negativen, bis zum Schluss. Immer wenn man denkt "Jetzt wird doch alles gut", folgt gleich wieder der nächste Weltuntergang. Eine aussichtslose Situation nach der anderen. Das hat mir einfach jeden Lesespaß geraubt. Mehrmals war ich versucht, Reckless endgültig auf einem imaginären Buchfriedhof zu begraben, aber aufgeben wollte ich dann doch nicht. Trotz einem ziemlich voraussichtlichem Ende. Das Buch hat im Endeffekt zwar ein relativ offenes Ende, aber die nächsten Bände werde ich ganz sicher nicht lesen. Schon durch den ersten Teil musste ich mich richtig durchkämpfen und mich immer wieder aufrappeln, weiter zu lesen. Ich habe mich schon ziemlich gefreut, als es dann endlich vorbei war, denn ich wollte es so schnell wie möglich hinter mich bringen. Nein, Lesespaß ist etwas Anderes. Alles, was ich beim Lesen liebe, hat mir hier gefehlt. Eine riesige Enttäuschung, vor allem nach Tintenherz. Okay, Tintenblut und Tintentod hat von mir ja auch schon keine positive Bewertung bekommen (Links zu Rezensionen von den Tintenwelt-Büchern unten), aber ich wollte Frau Funke noch eine Chance geben und habe mich schon richtig auf ein weiteres Jugendbuch von ihr gefreut. Und dann auch noch Fantasy? Mit einer Parallelwelt? Erinnert etwas an Tintenherz! Das kann ja nur gut werden! PUFF. Alle Vorstellungen zerstört. Den Erwartungen kein bisschen entsprochen. Da reizt mich wirklich gar nichts, Reckless: Lebende Schatten zu lesen.

Eine große Enttäuschung! Sehr schade. Die Meinungen zu diesem Buch gehen ziemlich weit auseinander, aber ich persönlich kann es auf keinen Fall an irgendjemanden weiterempfehlen. Beim Schreiben dieser Rezension habe ich wirklich überlegt, überhaupt kein Herz zu geben. Aber, nein, ich bleibe dabei: 1 Herz. Für das Cover. Und die Zeichnungen, die zwar nicht mehr sind als Platzhalter, aber dennoch gelungen sind.

Cornelia Funke, eine der bekanntesten deutschen Autorinnen von Kinder- und Jugendliteratur, hat erst nach einer Ausbildung zur Diplom-Pädagogin und einem anschließenden Grafikstudium angefangen zu schreiben.
Texte zu Bilderbüchern, Bücher zum Vorlesen, für Leseanfänger und Leseratten entstanden und wurden zum größten Teil auch von ihr selbst illustriert; einige ihrer Romane sind Familienbücher im besten Sinne.
Zu großen internationalen Erfolgen wurden »Herr der Diebe«, »Drachenreiter«, »Die wilden Hühner« sowie die Tintenwelt-Trilogie: »Tintenherz«, »Tintenblut« und »Tintentod«. -- corneliafunke.com
Rezensionen zu anderen Büchern von Cornelia Funke:
Tintenwelt #1: Tintenherz
Tintenwelt #2 + #3: Tintenblut + Tintentod

Kommentare:

  1. Ich war auch enttäuscht der Anfang war irgendwie
    voll durcheinander ich kam erst später dann mit.
    Eigentlich schade Cornelia kann normalerweise
    richtig gut schreiben.

    LG. jamandla

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    1. Ja, ich fand, dass sie in diesem Buch so übertrieben hat mit ihren ganzen 'poetischen' Umschreibungen... Es wurde dann doch ziemlich anstrengend :/

      Liebe Grüße ♥

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